Hieroglyphen: Lektion 4

..Oder auch „Das Tagebuch von Sinuhe“.
Du willst es wirklich wissen, oder? Scheint, als wärst du ein echter Abenteurer. Dann lüften wir mal das nächste Geheimnis der Hieroglyphen..

„Der Wind drehte sich und der heiße Atem des Seth wehte über das Land“ – Kurz: Jap, jetzt wird’s trocken. Aber keine Sorge, ich versuche so viel erfrischendes Rotes-Meerwasser, wie möglich durch diesen Text fließen zu lassen… (Spürst du schon den Sand unter deinen Füßen?)

Säulenhalle im Karnaktempel in Luxor.

Die Grammatik

Ich weiß… nicht der spannendste Beitrag hier. Deswegen schneiden wir das Thema auch nur kurz an. (Für alle, die dann noch Interesse haben, gibt’s weiter unten noch Möglichkeiten der Wissenserweiterung)

Der Sand, die Pyramiden, das Wasser

Ganz recht, jetzt geht’s um die Substantive, genauer gesagt, um die Geni – also Geschlechter, der Wörter. Aber keine Sorge, hier gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder das Wort ist maskulin oder feminin. Um was es sich bei dem entsprechenden Wort handelt, erkennt man im Altägyptischen an der Endung.

Tabelle Substantive – [B. Ockinga, Mittelägyptische Grundgrammatik. 3 (Darmstadt/Mainz 2012). S. 7]

Ist es ohne auffällige Endung, ist es meist maskulin. In der Tabelle sind die Beispiele Bruder und Schlange gezeigt. Beide Wörter sind im Altägyptischen maskulin. Der „Bruder“ wird mit dem 2-Konsonanten „sn“, dem 1-Konsonanten „N“ – zur Verstärkung – und dem Determinativ „Mann“ – zur Einordnung – geschrieben, also spricht man das Wort, wie in Kapitel 1-3 gelernt, „Sen“ aus. (Hier kannst du nochmal nachlesen, wie das geht)

Dagegen wird das Wort „Schlange“ nur mit 1-Konsonanten und einem abschließenden Determinativ geschrieben. Ergo: hefAu + Das wortbestimmende Symbol „Schlange“. Da hier keine weiteren Zeichen dabeistehen, ist auch dieses Wort im Singular gehalten, obwohl es mit W (also U in der Aussprache) endet.

Wenn man nun das feminine Wort für „Schwester“ anschaut, fällt sofort auf, dass neben dem 2- und 1-Konsonanten des Wortes „Bruder“ – also „sen“ (sn transkribiert) – sich noch der 1-Konsonant T dazugeschummelt hat. Zur Bestätigung, dass es sich hier nicht etwa um den Bruder, sondern um die Schwester handelt, malten die alten Ägypter noch den Determinativ „Frau“ hinter das Wort – damit jegliche Verwechslungsgefahr ausgeschlossen werden kann. Also steht hier das Wort sn.t (Senet ausgesprochen). Das T am Wortende bezeichnet somit das Femininum.

Was machen wir, wenn wir mehr als eins von etwas haben? Ganz klar. Wir rechnen es zusammen. So auch die alten Ägypter:

Bei dem Wort „Bruder“ also „sen“ benutzen die alten Ägypter zunächst einmal wieder die 2- und 1-Konsonanten „sn“ und N. Da allerdings für den Plural ein W verwendet wird, das hier sogenannte Plural-W, kommt noch der 2-Konsonant „nw“, als Verbindungsstück, und der 1-Konsonant W dahinter. Abgeschlossen wird das Wort wie gewohnt mit dem Determinativ, hier „Mann“. Da man aber nicht dreimal hintereinander den gleichen Determinativ schreiben möchte, setzten die alten Ägypter noch zusätzlich den Determinativ für „Pluralität“ dahinter, also stehen 3 Striche hinter dem Wort. (Hier kannst du dir nochmal die Liste der Determinative anschauen)

Exakt genauso funktioniert das auch mit den Wörtern die auf W enden. In unserem Tabellenbeispiel (Ockinga, S. 7) haben wir für diesen Fall schon das Wort „Schlange“ kennengelernt. Also schreiben wir auch hier wieder wie gewohnt das altägyptische Wort „hefau“ (also hfA.w) hin. Da wir dem Leser allerdings klar machen wollen, dass wir in Gefahr schweben und soeben in eine Grube gefallen sind, in der nicht etwa nur eine einzige Schlange, sondern der ganze Boden voll ist, mit giftigen Schlangen (!), schreiben wir schnell 3 Striche dahinter, damit wir zügig wieder aus diesem Loch rauskommen. Falls der Leser je diesen Ort findet, liest er das Wort „hefau“ und muss noch ein U dahintersetzen, bevor er sich umdreht und es selbst sieht…

Zurück zu der Schwester. Wenn wir ein feminines Wort im Plural schreiben wollen, benutzen wir auch hier das Plural-W. Allerdings steht dabei das W vor dem weiblichen T. Also steht am Schluss zunächst das Wort „sn“ dort. Da wir aber weder von einem Bruder noch von nur einem sprechen, hängen wir zusätzlich, wie zuvor, den 2-Konsonanten „nw“, als Verbindungsstück, sowie den 1-Konsonanten W und schließlich das weibliche T dran. Nach so vielen Hieroglyphen, lassen wir den Determinativ „Frau“ einfach weg. Fertig sind „die Schwestern“ also „senut“ (sn.wt transkribiert).

Bevor die alten Ägypter allerdings den Plural anwenden, kommen sie erst einmal zum Dual. Means: wenn du 2 Sandwiches hast, hast du nur 2 und keine 3. Das dachten sich auch die alten Ägypter so und sahen die Determinative plötzlich doppelt: Wenn du 2 Brüder hast schreibst du also wie gewohnt den 2-Konsonanten „sn“, dann nimmst du das Plural-W, denn du hast ja nicht nur einen. – Aber damit es keine Verständigungsprobleme gibt, schreibst du 2 Striche als Y, und den Determinativ „Mann“ ebenfalls zweimal. Heraus kommt das Wort „senui“ (sn.wy transkribiert) das sich (Bei den Hieroglyphen) deutlich vom Plural abhebt und als „die beiden Brüder“ übersetzt werden kann.

Diesen Dual wy (also ui ausgesprochen) hängst du auch an die Wörter, die im Singular mit W enden. Allerdings musst du hier darauf achten, dass das erste W erhalten bleibt. In der Tabelle ist für das bessere Verständnis das Wort „Arm“ also „aw“ (Au ausgesprochen) angegeben. Halten wir uns an die Tabelle und nehmen für die Aussage „Die beiden Arme“ den Dual und hängen es hinten an den Singular dran. Hierbei entsteht das Wort „au’ui“ (a.wwy transkribiert).

Bei femininen Wörtern wird es nochmal richtig interessant (denn wer will’s schon einfach): Anstatt das Plural-W vor das weibliche T zu schreiben, stellen die alten Ägypter das Dual-Y hinter das T. Also können wir erst einmal wie gewohnt das Wort „senet“ (Schwester) schreiben und noch im Nachhinein entscheiden, ob wir nur eine oder zwei Schwestern meinen. Wenn wir doch beide erwähnen möchten, schreiben wir einfach die 2 Striche für das Dual-Y hin und verdoppeln den Determinativ für „Frau“. Fertig ist das Wort „seneti“ (sn.ty transkribiert) – „die beiden Schwestern“.

Puh, das war bisher doch alles so trocken wie Wüstensand. Deswegen hier eine kleine Inspiration, wofür man sowas überhaupt gebrauchen könnte:

Hieroglyphen am Hatschepsut-Tempel in Luxor.
Säulenhalle im Karnaktempel in Luxor.

Das war’s erstmal über die Hieroglyphen von unserer Seite. Wenn du irgendwelche Fragen hast, wir beantworten sie sehr gern ❤

Du bist unersättlich? Vielleicht wäre das was für dich:

Themenvorschlag: Studium – Ägyptologie

„Der Ockinga“ – in meinem Studium der Ägyptologie schätzen und lieben gelernt. Die „Mittelägyptische Grundgrammatik“ von Boyo Ockinga ist für jeden zu empfehlen, der von der Pike auf die Philologie der alten Ägypter erlernen möchte. – In brevi: Hammer Buch! Und wurde in „meiner Zeit“ sogar von den Dozenten empfohlen & war fester Bestandteil der Philologie-Seminare.

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